Nicht schön, aber erfolgreich – VfL96 gewinnt Sachsen – Anhalt – Derby


Am Freitagabend wurden im „HWG – Stadion am Zoo“ keine Schönheitspreise vergeben, am Ende war nur wichtig das die Zahlenfolge auf der Anzeigetafel die Richtige war. Am Ende des Tages stand hier ein 1:0, welches im Verlauf des Wochenendes weiter an Bedeutungsschwere zulegen sollte! Nach vielversprechenden Startminuten in denen der VfL96 einige strukturierte Offensivaktionen vortrug, kam man mit fortschreitender Spielzeit zusehends von dieser Linie ab und die SG Union Sandersdorf verdeutlichte, warum man in dieser Saison stabil im oberen Tabellendrittel unterwegs ist. Die zunehmende Holprigkeit im Spiel der Gastgeber hatte wohl hauptsächlich seine Ursachen in einem gewissen Druck des Gewinnenmüssens einerseits und zunehmenden Spielunterbrechungen durch Entscheidungen des an diesem Abend sicher nicht in Bestform agierenden Spielleiters Tom Channier (Berlin), auf der anderen Seite. Die erste Torannäherung der SGU war ein direkt ausgeführter Freistoß, etwa 20 Meter Torentfernung, halblinks, als der Ball knapp das Tor der 96er verfehlte (12.). Wesentlich besser erging es da Oleksii Ohurtsov im weiteren Spielverlauf. Aus gut 18 Metern, zentral, hielt die Leihgabe vom FCCZ Jena einfach drauf und mit freundlicher Unterstützung eines nicht ganz gelungenen Abwehrversuchs, schlug das Spielgerät leicht abgefälscht zum 1:0 ein (26.). Gästehüter Yannik Tom Hanak war in dieser Szene völlig machtlos.

Kurz vor der Halbzeitpause war Luft anhalten angesagt, so man es mit den Blau – Roten hält. Ein Konter der SGU kann abgewehrt werden, allerdings fehlte dabei nicht viel zu einem Eigentor, hauchdünn rollt die Kugel am Tor vorbei und somit gab es nur Eckstoß (4:8) für Sandersdorf (43.) und die knappe Führung hatte zur Pause Bestand.

Dieses wäre wenige Minuten nach Wideraufnahme des Spiels fast nicht mehr der Fall gewesen. Der eingewechselte Kai Wonneberger setzt sich in der Box auf Höhe erster Pfosten durch, zielt von dort auf den zweiten Pfosten, aber die Fußspitze eines 96ers verhindert Ärgeres (52.). Einige Zeit später kommt der VfL96 zu zwei ordentliche Gelegenheiten den Spielstand zu erhöhen und Beides hat die linke Außenbahn als Ausgangspunkt. Zuerst setzt Jegor Jagupov Luka Vujanic in Szene.

Der kommt links im Strafraum zum Abschluss, Hanak kann abwehren (65.). Danach startet Vujanic einen Solovortrag, passt flach und scharf in die Mitte, Hanak kann den Ball nur abklatschen, ein Verwerter fehlt jedoch (67.). Eine folgende dramatische Schlussphase wird wohl mit dem Aufreger des Spiels schlechthin eingeleitet. Jagupov wird mit dem Rücken zum Tor stehend rechts im Sechzehner angespielt, dreht sich um seinen Gegenspieler, der rutscht beim Abwehrversuch schlicht und ergreifend aus, fällt darauf hin, Jagupov trifft und es steht 2:0 (80.). Der folgende Jubel sollte sich aber als ein „Fall von Denkste“ entpuppen. Nachdem der Ball im Tor der SGU seine Flugbahn beendet hatte, kam Spielleiter Channier zu dem Schluss, dass der Fall des SGU-Akteurs seine Ursache nur und einzig und allein in einem Foulspiel von Jagupov seine Ursache haben kann. Dramatik und Spannung hielten also bis in die dreiminütige Nachspielzeit an. In dieser klären zuerst Robert Pessel und Martin Ludwig in ganz starker Manier nachdem Till Jagodzik in guter Absicht sein Tor verlassen hatte, die Situation aber nicht wirklich klären konnte (86., 88.). Das gelang ihm wenig später mit der Entschärfung von zwei Abschlüssen aus Nahdistanz noch deutlich besser (90.+2). Als aus diesen Situationen der Ball doch noch im Tor lag (90.+3), die SGU jubelte und ein „Nö, nicht schon wieder“ auf 96er-Seite die Runde machte, wurde der Treffer wegen Abseitsstellung nicht gegeben. In Kombination mit dem kurz danach erfolgten Abpfiff die wohl mit Abstand gelungensten Entscheidungen und so endete das endete Sachsen – Anhalt – Derby mit einem ganz wichtigen Sieg des VfL Halle 96.

Danach war zuerst einmal Durchatmen angesagt und im feiernden Mannschaftskreis war eine Nachwuchsmannschaft jüngeren Jahrgangs mit dabei. Das hatten sich die Jungs auch verdient, organisierten sie doch von der Gegengeraden aus Wechselgesänge mit dem Fans auf der Haupttribüne. Daraus entstand endlich, endlich mal eine Atmosphäre wie man es sich beim Fußball vorstellt und sie hilfreich für die eigene Mannschaft ist. Kompliment dafür, es ist noch nicht vorbei, also weiter so!

Weiter positiv: Auf der Haupttribüne wurden mit Steven Niesel, Tom Renner, Marcio Pälchen und Toni Hartmann, stellvertretend für alle aufgeführt, einige ehemalige VfLer gesichtet, welche sich die Gelegenheit des Besuchs der alten Wirkungsstätte an einem Freitagabend nicht entgehen ließen.

Spätestens Sonntagnachmittag stieg die Wertigkeit, worauf man gern verzichtet hätte, des eigenen Sieges noch einmal stark an. Die Ergebnisse aus Bautzen (3:3 gg. Grimma) und Rudolstadt (3:0 gg. Halberstadt) sorgten dafür.

Jagodzik, Bolz (58., Shevtsov), Arzumanyan, Jagupov (90.+3, Borval), Pessel, Cabral, Schade (58., Bölke), Schubert, Ohurtsov (80., Wagner), Vujanic, Ludwig

Torschützen (Punktspiele): 1: Pessel, Frühauf, Mesfun, Borval, Shevtsov / 2: Wagner, Bolz / 3: / 4: Lubsch, Biregey / 5: / 6: Jagupov, Ohurtsov / 7: Vujanic / ET für 96: 1 

Torschützen (Pokal): 1: Wagner, Mesfun, Frühauf, 2: Lubsch, Jagupov, ET: 1 // 11m-Schießen: 1: Arzumanyan, Dierichen, Frühauf, Wagner, Jagupov, Pessel, Lubsch, 2: Bolz


Beitrag veröffentlicht am 7. Mai 2024

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