Verein/Geschichte/ab 1896
 

VfL Halle 96 e.V. - Geschichte ab 1896

 

Gründung des "Halleschen Fußball-Club von 1896"

Erstes Spielfeld und die ersten "Trittversuche"

Viele Probleme türmten sich vor dem jungen Verein auf

Eigenes Grundstück - Sportplatz und Clubhaus "Am Zoo"

Vom Halleschen Fußball-Club von 1896 zum Verein für Leibesübungen

Entwicklung in den 30er und 40er Jahren

 

 
Gründung des "Halleschen Fußball-Club von 1896"

Ende Juni oder Anfang Juli 1896 erschien ein Inserat in einer führenden halleschen Zeitung, das junge Leute, die Interesse am Fußballspielen hätten, zu einer Zusammenkunft und Besprechung zwecks Gründung eines Fußballclubs einlud. Das Inserat war, wie sich später herausstellte, von einem fußball-interessierten Oberlehrer, Dr. Hanimer-Schmidt, der damals an der Oberrealschule der Franckeschen Stiftungen amtierte, ausgegangen. Unter seiner Obhut hatte der Fußballsport sowohl an der Oberrealschule als auch an der LATINA (Lateinische Hauptschule) in den Franckeschen Stiftungen Wurzeln gefaßt. Der Turn-Spiel-Verein der Oberrealschule sowie der Turnverein "Jahn" der LATINA hatten die Pflege des Fußballsports in ihr Programm aufgenommen und schon mit Leipziger Schulen Wettstreite ausgetragen. Ansonsten war aber Fußball in Halle so gut wie unbekannt.

Der Einberufer war von der Erwägung ausgegangen, daß mancher dieser Schüler auch nach dem Verlassen der Schule gern wieder spielen würde. Seine Annahme erwies sich allerdings als falsch. Es war eine Anzahl junger Leute erschienen, doch diese hatten noch keine Ahnung vom Fußball und kamen aus purer Neugier. Das war an sich positiv; doch als Gründer eines eigenständigen Fußballvereins kamen sie aus verschiedenen Gründen nicht in Frage.

Doch Dr. Hammerschmidt ließ den Mut nicht sinken und lud noch einmal durch Inserat für den 16. Juli 1896 zu einer Besprechung in die Gastwirtschaft Hackebornstr. l ein, die zur Gründung des "Halleschen Fußball-Club von 1896" führte.

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Das Haus Hackebornstr. 1. Hier erfolgte die Gründung unseres Vereins.

Die 15 Gründungsmitglieder gingen sogleich an die Arbeit. Schon nach kurzer Zeit wurden die Satzungen aufgestellt. Der Verein sollte zunächst nur den - wie man damals sagte "gebildeten Ständen" zugänglich sein, denn Mitglied konnte danach nur werden, wer mindestens das "Einjährige" (mittlere Reife) besaß.

Später wurde dieser Passus in der Satzung wieder gestrichen. Als der Fußball zum Volkssport heranreifte, hätte man mit dieser Einstellung eine Gefährdung des Mitgliederbestandes heraufbeschworen.

Erstes Spielfeld und die ersten "Trittversuche "

Die erste Sorge nach Gründung war die Suche nach einem geeigneten Spielfeld. Dr. Hammerschmidt erreichte schließlich die Erlaubnis zur unentgeltlichen Abhaltung von Übungsstunden auf dem Sandanger.

Anfangs wurden keine großen Ansprüche an die Beschaffenheit des Platzes gestellt. Rasenbüschel und Unebenheiten gaben dem Ball nicht immer die gewünschte Richtung.

Dazu kam, daß der Sandanger mindestens einmal im Jahr vom Hochwasser der Saale überschwemmt war, so daß während dieser Zeit und auch noch geraume Zeit danach keine Übungsstunden abgehalten werden konnten.

Die zweite Sorge war die Beschaffung von Gerätschaften.

Fußbälle gab es in Halle nur bei der Firma KRASEMANN in der Schmeerstraße. Allerdings verloren sie gar bald ihre ursprüngliche runde Form. Sie zeigten auch das Bestreben, immer größer und größer zu werden, hatten aber den Vorteil, daß man dann weniger danebentrat. Diese Fußbälle bestanden aus einer Lederhülle mit Gummiblase, dazu gab es eine Luftpumpe und eine Schnürnadel. Außerdem benötigte man noch Schiedsrichterpfeife, Fahnen zur Abgrenzung des Spielfeldes und 2 Torstangen. Die Fahnen zur Abgrenzung des Spielfeldes waren weiß, mit einem roten sechsstrahligen Stern. Die Torstangen hatten etwa Daumenstärke und waren mit einer geschmiedeten Eisenspitze versehen und wurden in den Boden gesteckt. Oben waren die Stangen mit einem roten Band verbunden. Eine Mannschaft bestand aus:

Einem Tormann, zwei Malmännern, drei Markmännern und fünf Stürmern.

Jeder behielt den Ball solange er konnte und wurde er bedrängt, dann wurde der Ball in Richtung des gegnerischen Tores "hingedroschen" oder in den Himmel gejagt, man nannte es eine "Tanne". Abseitsregeln gab es damals noch nicht und es war beliebt, vor dem gegnerischen Tor auf Lauer zu stehen, sich einen lang vorgelegten Ball zu schnappen und - wenn möglich - ins Tor der Gegenpartei zu bugsieren.

Gespielt wurde in einem dicken "Woll-schwitzer", der über den bloßen Oberkörper oder aber auch über das Unterhemd gezogen wurde.

Die Spielkleidung war anfangs ganz weiß mit einem roten Stern auf der Brust, also in den halleschen Farben gehalten. Später änderte sie sich: dunkelblau blusenähnliche Oberbe
kleidung, hellblaue Satinhosen und über dem Trikot ein schräger roter Streifen. Die Vereinsfarben waren ab sofort blau-rot-blau. Als Vorbild diente ein damals bekannter, führender englischer Club, welcher, ist allerdings nicht festgehalten. Die Farbe blau symbolisierte Treue und rot stand für Liebe. Die Strumpfbekleidung war uneinheitlich; es konnte auch eine leichte, weiche rote Mütze getragen werden, ohne Schirm und ohne steifen Rand.

Am Ende eines Spieles war jeder durchschwitzt, aber eine Möglichkeit, sich zu waschen oder zu erfrischen, gab es nicht. Es war eben alles primitiv, aber es wurden auch keine großen Ansprüche gestellt. Nach der Schwitztour schmeckte das mitgebrachte Abendbrot, an Sonntagen gab es den verspäteten Frühschoppen. Dabei mundete das frische Bier im "Hettstedter Bahnhof" oder besser noch das schöne dunkle Kulmbacher im "Herz" in der Mansfelder Straße.

Viele Probleme türmten sich vor dem jungen Verein auf

Die sonntäglichen Übungsstunden waren als Störung der kirchlichen Sonntagsruhe verpönt. Bei nassem Wetter durfte der Platz nicht benutzt werden.

Das hallesche Bürgertum zeigte nicht das geringste Interesse für unseren Sport. Das Spiel wurde als verrufen bezeichnet und war verpönt. In der sogenannten "Gesellschaft" hätte es niemand wagen können, sich als Fußballer zu bekennen, ohne daß zugleich der Stab über ihn gebrochen worden wäre. Jungen Leuten wurde von ihrem Geschäftsprinzipal oftmals die Mitgliedschaft beim Fußballclub untersagt und mit Kündigung gedroht.

Das verschärfte sich noch, als das Fußballspiel auch unter der Jugend populär wurde und sich in den Straßen viele Jungen um einen Gummiball oder auch Woll- bzw. Papierknäuel scharten. Ohne Rücksicht auf die Passanten wurde mit Höllenlärm

gebolzt, man traf Spaziergänger und auch Fensterscheiben. Die Passanten gaben die Schuld natürlich den Fußball-Clubs und so entstand eine noch größere Aversion gegen die Fußball-"Lümmel". Das Freundschaftsverhältnis untereinander aber sorgte dafür, daß der Club nicht auseinanderfiel. Von einem Blühen und Gedeihen konnte allerdings keine Rede sein, eher von einem Dahinvegetieren.

Der Club war von der Mitgliederzahl her kaum so stark, daß zwei vollständige Mannschaften gebildet werden konnten. Man begnügte sich dann eben mit weniger Spielern, jeder mußte eben mehr laufen. Man freute sich, wenn hin und wieder Mitglieder der beiden Schülervereine der Franckeschen Stiftungen an den Übungsstunden teilnahmen. Allerdings war den Schülern der Verkehr mit uns "Kaufleuten" strengstens untersagt. Den Schulleitungen mußte die Teilnahme der Schüler verborgen bleiben.

Manchmal, wenn zu wenig Leute anwesend waren, wurde auch Schlagball gespielt. Der Schlagball sowie die dazugehörige Kelle waren Vereinsinventar. Wenn es kälter wurde, kam das "Aus" für das Fußballspiel. Damit der Verein nicht auseinanderfiel, sollte dann die Geselligkeit gepflegt werden. Jede Woche traf man sich abends einmal zu offiziellem Zusammensein im "Reichshof". Im Winter wurde als offizielle Veranstaltung ein Kommers abgehalten, zu dem Einladungen auch an Außenstehende ergingen. Die Hoffnungen, auf diese Weise mehr bekannt zu werden, erfüllten sich aber leider nicht.

Ein Dauerproblem blieb lange Zeit die Suche nach einem geeigneten Sportplatz. Die Stadt zeigte für unsere Nöte kein Verständnis, Geld zum Kauf und dem Auf- und Ausbau einer eigenen Anlage war nicht vorhanden; für den Sandanger aber mußte unbedingt Ersatz gefunden werden. Die Rettung kam vom Militär. Dank persönlicher Beziehungen wurde der kleine Exerzierplatz an der Roßplatzkaserne (heute Paracelsusstr.) unsere neue Heimat. Allerdings mit der, wie sich bald zeigen sollte, folgenschweren Bedingung, daß außer unseren Spielern keine Zivilisten den Platz betreten durften.

Der Platz war im Vergleich zum Sandanger ideal. Der Boden war eben wie ein Billardtisch und mit einer kurzen Grasnarbe bedeckt. Selbst nach langem Regenwetter war er bald wieder abgetrocknet und spielfähig. Das Gelände war so groß, daß man das Spielfeld nach Belieben verlegen konnte, denn außer unserem Club spielte niemand darauf. Der Platzwechsel war ein Glücksfall für uns. Umkleidemöglichkeiten waren gleich in der Nähe und auch unsere Gerätschaften konnten wir dort unterbringen. Die Eltern unseres Mitspielers Ernst Kleeberg hatten eine kleine Gastwirtschaft in der Hardenberg-straße. Sie wurde unser Vereinslokal. Doch neue Schwierigkeiten türmten sich auf, als, an sich erfreulich, in Halle weitere Fußballvereine entstanden, so 1898 der Fußball-Club Hohenzollern, später umgetauft in SV 98 Halle, und 1900 der Fußball-Club Wacker.

Die beiden Clubs brauchten natürlich auch Spielmöglichkeiten. "Hohenzollern" kam auf dem Sandanger unter. Wacker beantragte bei der Militärbehörde die Mitbenutzung des Exerzierplatzes an der Roßplatzkaserne. Die Behörde sagte zu. So hatten nun zwei Vereine Spielerlaubnis für diesen Platz. Das hatte mehr Zulauf von Besuchern zur Folge. Dieser wurde aber beschränkt, da sich kein Publikum auf dem Gelände aufhalten durfte und vom Militär abgestempelte Zulaßkarten eingeführt wurden. Wer ohne Papiere angetroffen wurde, mußte bei Kontrollen durch die Posten unverzüglich den Platz verlassen. Es folgte Platzverbot; einmal wurden mitten in einem Wettspiel sogar die Tore von einer Abteilung Soldaten abgebaut. Für Gastmannschaften mußte rechtzeitig eine Erlaubniskarte besorgt werden. Die Folge war, daß die Spiele nur noch am Rande des Platzes ausgetragen wurden, damit die wenigen Zuschauer den Platz nicht betreten brauchten.

Erschwerend kam noch hinzu, daß sich bald lose Vereinigungen bildeten, die mit Vorliebe den Exerzierplatz benutzten. Diese "türmten", wenn das Militär kam, aber den Ärger mit den Militärbehörden hatten wir.

So ging es nicht weiter. Das letzte Spiel auf dem Exerzierplatz am Roßplatz wurde am 20.4.1902 gegen Wacker Halle ausgetragen und endete 4:1. Ein neuer Spielplatz mußte gefunden werden. Aber alle Bemühungen blieben vorerst erfolglos.

Die letzte Rettung -war wieder das Militär, aber auch das zeigte sich zunächst nicht geneigt, uns entgegenzukommen. Durch Beziehungen gelang es dann aber doch noch, dem "Höchstkommandierenden" für unsere Belange Verständnis abzuringen. Der ehemalige Platz blieb uns zwar verschlossen, aber wir durften dann den großen Exerzierplatz bei Lettin benutzen.

Das erste Spiel auf den Brandbergen trug unsere Mannschaft am 5. August 1902 gegen "Hohenzollern" Halle aus, es endete 1:1.

Halle 96 hatte nun wieder einen Spielplatz, doch war seine Nutzung mit ziemlicher Beschwerlichkeit verbunden. Die Straßenbahn endete in Kröllwitz. Von da bis zum Umkleidelokal "Schützenhof" war ein Weg von mindestens 15 Minuten zurückzulegen; von dort dauerte es noch einmal so lange bis zu einer Stelle, die nicht so hügelig war und ein Spielchen erlaubte. Die Torstangen mußten hin und wieder zurückgeschleppt werden. Das wurde aber alles hingenommen, denn ein Club ohne Spielfeld ist eben ein Unding. Mit der Zeit wirkte sich das aber nachteilig aus. Den Spielern wurde es doch zu beschwerlich, abends nach Geschäftsschluß oder am Sonntag die Strapazen auf sich zu nehmen; die Brandberge lagen zu ungünstig. Das Interesse am Club begann zu erlahmen, mehrere Spieler sahen sich nach Spielmöglichkeiten bei anderen Vereinen um.

Das letzte Spiel auf diesem Platz ging am 16. September 1905 gegen den Leipziger Ballspiel-Club mit 0:5 verloren. Wollte man weiterbestehen, mußte eine andere Spielmöglichkeit gefunden werden. Die Platzsuche begann erneut.


Endlich! Eigener Sportplatz "Am Leuchtturm"

Die Stadt war trotz vieler Vorsprachen zur Hergabe eines Geländes nicht zu bewegen, obwohl es ihr zur Verfügung gestanden hätte. Für ein privates Grundstück wurde überall eine Pacht verlangt, die der Club aus eigenen Mitteln nicht hätte aufbringen können. So blieb denn die Platzsuche lange Zeit erfolglos. Doch endlich, nachdem man sich schon manche Schuhsohle vergeblich abgelaufen hatte, bot sich eine Gelegenheit.

Unser Mitglied Rudolf Morgenstern hatte in Erfahrung gebracht, daß der Baumeister Löst, dem die Ziegelei und ein benachbartes Grundstück an der Gabelung der alten und neuen Leipziger Chaussee gehörten, beabsichtigte, dort einen Gasthof zu bauen. Er war bereit, uns ein direkt neben dem Gasthof liegendes Gelände pachtweise als Sportplatz zu überlassen. Das war eine große Chance für uns. Das Pachtangebot hatte natürlich einen Hintergrund, denn auf diese Weise würde der Gasthof einen gewissen Zulauf erreichen. Jetzt hieß es, die Mitglieder zu überzeugen, denn die Kosten schienen unerschwinglich. Bei etwa 50 Mitgliedern und einem Monatsbeitrag von 50 Pfennig, dazu meist noch Lehrlinge, Studenten und Schüler, war das ein großes Wagnis.

Rudolf Morgenstern aber war Feuer und Flamme für das Projekt. Er sprühte nur so von Ideen. Der Platz sollte eingezäunt werden und man wollte dann Eintrittsgeld erheben. Das war ein Novum für Halle. Da aber andererseits keine andere Wahl bestand und uns sonst immer mehr Mitglieder verlassen hätten, wurde dem Plan zugestimmt. Der Vertrag wurde abgeschlossen und im "Wettiner Hof" in der Magdeburger Straße unterzeichnet. Für den Verein verhandelten unsere beiden verdienstvollen Mitglieder Rudolf Morgenstern und Paul Lohde. Diesen beiden Männern verdankte Halle 96 damals seine Erhaltung, denn ohne den ersten eigenen Sportplatz wäre der Verein wahrscheinlich der Auflösung verfallen. Nun hatte man

ein Ziel vor Augen und es erschienen immer mehr Mitglieder, um mit Eigenleistungen den Platz spielfähig zu machen. Bald hatten wir einen guten Rasenplatz. Nun galt es, wie vorgesehen, den Platz zu umzäunen. Die Kosten hierfür schoß Sportkamerad Morgenstern vor, der in seiner impulsiven und helfenden Art alles regelte. Er war in einer Holzgroßhandlung beschäftigt und erreichte, daß die Rechnung für das Holz auf unbestimmte Zeit gestundet wurde. Es wurde aus Kostengründen kein geschlossener Bretterzaun, sondern nur ein für Zaungäste durchsichtiger Lattenzaun errichtet, der aber den gewollten Schutz für den Platz herstellte. Um den eigentlichen Spielplatz wurde eine Holzbarriere errichtet.

Nach zähen Verhandlungen konnte R. Morgenstern eine Jahrespacht von 600 DM aushandeln. Die Brauerei Günther und der Gastwirt Eiste übernahmen je 200 Mark, die Besitzer Löst und Sohn wurden Vereinsmitglieder, so daß die jährliche Pachtsumme für Platz, Clubraum und Umkleidemöglichkeit nur noch 175 Mark betrug. Es war nun unser Platz und wir brauchten nicht zu befürchten, verjagt zu werden, solange wir unsere Pacht zahlten. Der Platz lag zwar eine Viertelstunde von der Endstation der Straßenbahn in der Merseburger Straße entfernt, aber wir hatten nun neben dem Platz auch die Umkleideräume und einen eigenen Clubraum.

Der Sportplatz hieß im Volksmund "Am Leuchtturm". Das Einweihungsspiel fand am 11.10.1903 gegen den VfB Leipzig statt und es gab eine 2:9 Niederlage; aber von da an ging es sportlich voran.

Bald stellten sich zu den Spielen auch Zuschauer ein, es waren fast regelmäßig einige hundert. Das Eintrittsgeld betrug 50 Pfennig, bei Halbzeit wurden die Kleinen unentgeltlich hereingelassen. Der Club konnte nach und nach Schulden abbauen, Tornetze erwerben und auch bekannte und führende Mannschaften Deutschlands einladen.


Sportliche Erfolge "Am Leuchtturm"

Die halleschen 96er entwickelten sich zu einer Spitzenmannschaft und erreichten auf dem Platz "Am Leuchtturm" eine Blütezeit. Wir hatten einen guten Ruf in ganz Deutschland. Die Schnelligkeit der gesamten Mannschaft, das Schußvermögen der Stürmerund die faire Spielweise wurden bewundert und gelobt.

Man konnte eigentlich rundum zufrieden sein. Trotzdem hieß es Abschied nehmen von dem Platz, der den vorher noch vom Auseinanderbrechen bedrohten 96ern einen großen Aufschwung gebracht hatte.

Der Zulauf zu unserem Sportgelände "Am Leuchtturm" bestand nämlich nicht nur aus sportlichen Anhängern, auch "unternehmungslustige" Damen zog es nach Halles Süden. Der Wirt wußte daraus Kapital zu schlagen und veranstaltete an den Spieltagen Tanzveranstaltungen, die begreiflicherweise auch unsere jungen Sportler anzogen. Das war aber gegenüber den jungen Leuten, die bei uns Sport trieben, und auch gegenüber deren Eltern nicht zu verantworten. Wir mußten ein eigenes Clubhaus haben, in dem sich jedes Mitglied, jung und alt, zwanglos aufhalten und bewegen konnte, in dem aber niemand ungebeten etwas zu suchen hatte.

Eigenes Grundstück - Sportplatz und Clubhaus "Am Zoo"

Die Suche nach einem eigenen Grundstück hatte Erfolg. Was damals niemand für möglich hielt, wurde Wirklichkeit. Halle 96 erstand als erster deutscher Fußballverein 1909 ein ca. 2 Hektar großes Gelände. Der Vater des Spielkameraden Lothar Ritter half beim Erwerb dieses Grundstückes. Die Finanzierung war eine Meisterleistung und das alleinige Verdienst des späteren Ehrenvorsitzenden Paul Lohde, der als Direktor der Anhalt-Dessauer Landesbank die persönliche Verantwortung für einen Riesenkredit übernahm. Aus Mitgliedsbeiträgen, Zuschauereinnahmen, Erlösen aus gesellschaftlichen Veranstaltungen und Spenden wäre die Finanzierung nicht möglich gewesen. Hier half eine Aktion zur Zeichnung einer Platzanleihe für das 100.000 Mark-Objekt. Der Verein verpflichtete sich, die Anleihe ab 1926 mit vierteljährlicher Kündigungsfrist und einer Zahlung von 5 % Zinsen zurückzuzahlen. Die Anleihe wurde hypothekarisch sichergestellt.

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In der "Halleschen Flur - Gemarkung Trotha" am verlängerten Angerweg, heute Geschwister-Scholl-Straße, baute sich der Verein einen für damalige Verhältnisse großen und vorbildlichen Sportplatz. Die Einweihung erfolgte am 4. September 1910 mit einem Spiel gegen VfB Leipzig.

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Plakat zur Einweihung am 4. September 1910

Die Lage gehörte zu einer der besuchtesten Treffpunkte Halles. Das Kurhaus Bad Wittekind, die Saalschloßbrauerei und natürlich der Zoologische Garten waren große Anziehungspunkte in diesem Territorium.

Der eigentliche Sportplatz, von Westen nach Osten gelegen, entsprach mit seinen Maßen den Erfordernissen für internationale Spiele. Auf der Südseite wurde noch eine überdachte Tribüne geplant und hinter dem Platz war genügend Platz für zwei Tennisplätze, die bei Vermietung an "betuchte" Interessenten noch einige Pfennige einbringen sollten. Eine Drainage sollte bei Regenwetter für einen geordneten Spielbetrieb sorgen. Der Boden wurde geebnet und eine geeignete Samenmischung sorgte für ein vorbildliches Spielfeld.

In der Südwestecke des Geländes, der Stadt am nächsten, wurde ein eigenes Clubhaus gebaut. Im Kellergeschoß entstanden Umkleide- und Waschräume. Im Erdgeschoß befanden sich die Gesellschafts- und Vereinsräume. Das ausgebaute Dachgeschoßdiente als Wohnung für den Wirt bzw. Platzwart.

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Sportplatz am Zoo mit überdachter Tribüne, Klubhaus, Vers ammlungsraum

Nach und nach veränderte sich das Bild der Sportanlage weiter.

Im Jahre 1921 zum 25jährigen Bestehen des Vereins wurden der neue Platz und das Clubhaus eingeweiht. Der VfL besaß damit die modernste Sportanlage Mitteldeutschlands,

wenn nicht überhaupt ganz Deutschlands. Im Jubiläumsbuch des Deutschen Fußball-Bundes von 1925 und in den Jahrbüchern des DFB ist dies in Wort und Bild gewürdigt. Von besonderer Bedeutung war der Ausbau der Traversen, der es ermöglichte, daß 10.000 Zuschauer und mehr bei bester Sichtmög-lichkeit einem großen Sportereignis beiwohnen konnten. Mit der Anordnung der Zuschauerränge hat der Verein maßgebend den Bau der deutschen Sportplätze beeinflußt. Halle hat auf unserem Sportplatz große und wichtige Fußballereignisse gesehen. In Sonderzügen kamen die sportbegeisterten Zuschauer aus Leipzig, Magdeburg, Berlin. Hamburg, Nürnberg und anderen Städten. Halle 96 als Organisator dieser Spiele hatte bald in Deutschland einen derartig guten Ruf, daß ihm immer wieder große Veranstaltungen anvertraut wurden, bis schließlich größere Anlagen in anderen Städten dem Deutschen Fußball-Bund eine bessere wirtschaftliche Ausnutzung ermöglichten.

Mit der Ausbreitung weiterer Sportarten im Verein kam es erneut zu Platzproblemen. Nach langen Verhandlungen gelang es, ein Grundstück von 7 Morgen Größe, das an die Platzanlage grenzt, zu pachten; 1940 konnte es endgültig für den VfL Halle 96 erworben werden.

Vom Halleschen Fußball-Club von 1896 zum Verein für Leibesübungen

Der Hallesche Fußball-Club von 1896 war der erste Fußballverein in Halle. Nach seiner Konsolidierung brauchte der junge Verein Partner, sportliche Rivalen. Diese fand er in Leipzig, wo der Fußballsport weitaus fester verankert war als in Halle. Die ersten Verbindungen wurden mit LIPSIA aufgenommen. Bald bestanden auch freundschaftliche Beziehungen zum "Leipziger Ballspiel-Club", dem VfB sowie zu Wacker.

Die Spielstärke dieser Vereine war hoch. Unser Verein traf anfangs auf die 2. Mannschaften, mußte aber trotzdem meist Niederlagen hinnehmen. Als sich die Leipziger Vereine zum "Verband Leipziger Ballspielvereine" zusammenschlössen und ihre Mannschaften in mehreren Klassen spielen ließen, beschloß Halle 96, dem Leipziger Verband beizutreten, um Spielmöglichkeiten zu haben und um die eigene Leistungsstärke zu erhöhen. Allerdings mußten sämtliche Ver-bandsspiele in Leipzig ausgetragen werden. Dies führte zu hohen zeitlichen und finanziellen Belastungen für die Spieler. Kurzfristige Absagen zu Spielen und Abmeldungen aus dem Verein waren die Folge. Halle 96 mußte notgedrungen aus dem Leipziger Verband austreten. Doch das Ziel war erreicht. Man hatte sich mit den Regeln bestens vertraut gemacht, Satzungsänderungen erlaubten es, sich durch Mitglieder der Schülermannschaften zu verstärken, insgesamt stieg die Spielstärke beachtlich. Halle 96 wurde den spielstarken Leipziger ersten Mannschaften ein ebenbürtiger Gegner. Durch die bereits erwähnte Gründung weiterer Vereine in Halle, so des Fußballclubs Hohenzol-lern (SV 98 Halle) und des Fußballclubs Wacker 1900, eröffnete sich die Möglichkeit, auch am Ort Wettspiele austragen zu können. Übrigens wurde das l. Spiel gegen Wacker mit 16:1 gewonnen.

Am 16.12.1900 wurde der "Verband Mitteldeutscher Ballspielvereine" (VMBV) gegründet.

Halle 96 war eines der 12 Gründungsmitglieder. Auch war unser Verein an der Gründung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Leipzig beteiligt.

Der "Verband Mitteldeutscher Ballspielvereine" hatte neben den Ballspielen auch die Pflege der Leibesübungen in sein Programm aufgenommen und veranstaltete jährlich Wettkämpfe. In Mittweida (1901) errang Halle 96 6 Siege, 4 zweite Plätze und einen 3. Platz. Bei Internationalen Wettkämpfen in Magdeburg wurde als krasser Außenseiter die 4x100 m-Staffel und der Weltausstellungspreis Paris 1900 gewonnen.

So öffnete sich, trotz Bedenken einzelner Mitglieder, daß der Fußballsport vernachläs
sigt werden könnte, der Verein auch anderen Sportarten. Dieser Trend verstärkte sich nach Ende des l. Weltkrieges. Sowohl Mitglieder als auch Freunde, meist Schüler höherer Lehranstalten, wollten sich in neuen Sportarten erproben.

So entstand der Gedanke, sich mit dem "Kaufmännischen Turnverein" (KTV) von 1875 zusammenzuschließen, obwohl sich beide Verbände zunächst nicht besonders freundlich gegenüber standen.

Eine bessere Nutzung der Sportstätten, eine straffere Organisation, bessere Trainingsbedingungen, vielseitigere Möglichkeiten sportlicher Betätigung sowie Steigerung der Mitgliederzahlen sollten das Ergebnis der Fussion bilden.

So vereinigten sich am 23. September 1919 die beiden Vereine zum "Verein für Leibesübungen", allerdings nur für kurze Zeit. Zu groß waren die Unterschiede in Zielen und Auffassungen; schon am 21. April 1920 erfolgte die Trennung. Doch der reine Fußballclub war zum "Verein für Leibesübungen von 1896" geworden, in dem künftig immer mehr sportliche Disziplinen eine Heimstatt fanden.

Hinsichtlich seiner Mitgliederzahl entwickelte er sich zum Großverein: von 15 (1896) über 121 (1905), 578 (1918), ca. 800(1920)zu 1252(1931) Damit stand der VfL Halle 96 nach dem Dresdner SC mit 1668 Mitgliedern in Mitteldeutschland an zweiter Stelle. In Halle vertrat fast ein Viertel der Halleschen Sportler die blau-roten Farben. An dieser Stelle ist es an der Zeit, die Verdienste des langjährigen Vorsitzenden des Vereins, Hans Hädicke, besonders zu würdigen.

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Hans Hädicke 1882-1974 Ehrenvorsitzender des VfL Halle 96


Hans Hädicke (1882-1974) - ein Leben für den Sport

Hans Hädicke meisterte von 1912-1927 als Vorsitzender die Geschicke des Vereins in einer schwierigen Zeit. Auch danach blieb er dem Vereintreu. Seinen Ideen, seiner Initiative und Überzeugungskraft in Wort und Schrift ist es zu danken, daß sich der Hallesche Fußball-Club von 1896 zum Verein für Leibesübungen Halle 96 e.V. und damit zu einem der führenden Vereine in Halle und Mitteldeutschland entwickelt hat.

In seiner ISjährigen Tätigkeit führte er den Verein von etwa 100 Mitgliedern zu einem Großverein von über 1.200 Sportlern und damit zum größten Sportverein der Saalestadt.

Sportliche Höhepunkte waren in dieser Zeit die beiden Mitteldeutschen Fußball-Meister-schaften 1917/18 und 1919/20 und die großen Erfolge unserer Leichtathleten. Hans Hädicke hatte immer maßgeblichen Einfluß auf alles, was das Dasein des Vereins erfüllt hat, ob es das sportliche Geschehen, der Ausbau der Sportanlagen, das gesellschaftliche Leben oder die Repräsentationspflichten waren.

Ihm ist es wesentlich zu verdanken, daß seit 1916 Monatsberichte des Vereins erscheinen konnten, die in großem Maße nicht nur in
formierten, sondern vor allem zum Zusammenhalt der Mitglieder und zur engen Verbundenheit mit ihrem Verein beitrugen. Hans Hädicke war darüber hinaus seit 1917 Vorsitzender des Verbandes Mitteldeutscher Ballspielvereine, Mitglied des Vorstandes des Deutschen Fußball-Bundes, Mitbegründer des Deutschen Sport-Bundes und Mitglied des Olympischen Komitees von 1928.

In seiner Hingabe für die Idee des Sports hat er trotz der vielen führenden Funktionen auch die Verbundenheit zu seinen Sportkameraden gepflegt und ihnen viel aus seinem großen Wissen gegeben, für ihre persönlichen Sorgen und Wünsche hatte er stets ein offenes Ohr.

1927 trat Hans Hädicke als l. Vorsitzender unseres Vereins zurück. Bewegt nahm er den Dank und die Anerkennung der Versammlung entgegen und versprach, auch weiterhin immer für seinen Verein da zu sein.

Hans Hädicke erfuhr für sein erfolgreiches Wirken und seine hervorragenden Verdienste vielfache hohe Ehrungen. So war er Ehrenvorsitzender des VfL Halle 96, Ehrenmitglied des DFB, Träger der goldenen Ehrennadel des DFB und der Ehrennadel des VfL in Gold. Der Preußische Kulturminister verlieh ihm die Adlerplakette.

Entwicklung in den 30er und 40er Jahren

Das Jahr 1955 brachte auch für den VfL tiefgreifende Einschnitte. Im März 1955 wurden durch die faschistischen Machthaber die Sportvereine "gleichgeschaltet". Allerdings mußte im Gegensatz zu anderen Vereinen der VfL keine einschneidenden Veränderngen in der Vorstandsschaft vornehmen.

Doch mancher von den älteren Trainern und Betreuern mußte ein liebgewordenes Werk aufgeben. Viele Jugendliche standen wegen der durch die Zwangsmitgliedschaft in den Jugendorganisationen bedingten Belastungen dem Verein nicht mehr so intensiv beim Training oder bei Wettkämpfen zur Verfügung.

Der Krieg führte den VfL in die schwerste Krise seiner Geschichte. Viele seiner Mitglieder und Förderer verloren ihre Gesundheit oder ihr Leben. Der VfL blieb mit seinen Soldaten in steter Verbindung.

Als Nachfolger der seit 1916 erscheinenden Monatsberichte wurde ab 1940 eine "Blau-rote Feldpost" herausgegeben. Rudi Rockmann, "Papa" Rainer und Erich Wanderer zeichneten dafür verantwortlich. Die Kurzberichte waren aktuell und informierten die Soldaten über das Sportgeschehen und Treiben des VfL Halle 96. Die Feldpost besaß einen großen Leserkreis und wurde von Sportinteressierten ganzer Truppenteile gelesen.

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Blau-rote Feldpost

Trotz aller Probleme personeller und organisatorischer Art, trotz eingeschränkter Reisemöglichkeiten, Fliegeralarme und Fliegerangriffe wurde versucht, einen einigermaßen funktionierenden Sportverkehr aufrecht zu erhalten. Verjüngte Mannschaften wurden aufgestellt, Notmeisterschaften organisiert, Spielgemeinschaften mit anderen Vereinen gebildet, Gastspieler aus örtlichen Kasernen gewonnen. Heimaturlauber stellten sich selbstverständlich für Spiele zur Verfügung.

Aus dieser Situation heraus schloß der VfL Halle 96 im Jahr 1944 ein Abkommen mit dem VfB Leipzig.

Man hatte sich zur gegenseitigen Unterstützung verpflichtet und die Durchführung

gemeinsamer Wettkämpfe aller Abteilungen vereinbart. Diese fanden auf breiter Ebene statt. Die von beiden Vereinen ergriffene Initiative hatte seinerzeit eine beachtliche Resonanz in der Sportöffentlichkeit. Mit dem totalen Zusammenbruch des "Dritten Reiches" hatte auch der Sport ein"vorläu-figes Ende gefunden.

Sportliche Entwicklung der Abteilung Fußball

Der VfL Halle 96 erlebte in seiner lOOjährigen Geschichte große Erfolge aber auch Rückschläge und Krisen. Immer wieder bewies er seine Lebenskraft. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten der Gründerjahre festigte sich unsere Mannschaft zusehends, so daß Erfolge nicht ausbleiben konnten.

Aus den Spieljahren 1906-1909 seien einige bemerkenswerte Resultate erwähnt:

Der VfL spielte gegen

Preußen Berlin

4:1

Hertha Berlin

5:2 und

1:2

Germania Magdeburg

12:0

SC Erfurt

9:0

Sportfreunde Leipzig

6:1

Leipziger Ballspiel-Club

5:1

VfB Leipzig

2:5 und

4:2

Wacker Halle

5:0 und

5:1

Hohenzollern Halle

15:1

 


 

Im Spieljahr 1904-1905 wurde die l. Mannschaft Gaumeister der Gauliga Nordwest-Sachsen.

1905/06 wurde dagegen das Endspiel gegen VfB Leipzig mit 0:2 verloren. 1907/08 wurde der "Saalegau" gebildet, in dem die Mannschaften aus Halle und Merseburg spielten. Ohne Punktverlust errang der VfL Halle 96 sowohl 1908 als auch 1909 die Gaumeisterschaft.

In diesen Spielen hüteten die Torleute Portius, Hankel und Morcinietz das Tor. Als Feldspieler kamen zum Einsatz: Uli, Mähnert, H. Ritter, Lüdigke, Ackermann, Wodys, Lampe, Herrmann, Rudolph, Gussi, Hankel, Lobeck, Luettke, Busse.

Gaumeister wurde der VfL auch 1915 sowie 1917-1919.

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Sanlegaumeister Halle 96 1917-1919

In den Jahren des l. Weltkrieges wurden leider keine Endspiele um die Deutsche Meisterschaft ausgetragen, der Saale-Gaumeister

wäre sicher für einige Überraschungen gut gewesen. Wir hatten durch Verstärkungen an Spielstärke beträchtlich gewonnen. So kam mit Fritz Förderer ein Spieler, der schon drei Süddeutsche Meisterschaften mit dem Karlsruher FV errungen hatte, außerdem hatte er schon llmal in der deutschen Nationalmannschaft gespielt. Er war beruflich als Elektromeister in die neu erbauten Leuna-Werke versetzt worden. Willi Noe kam von Phönix Karlsruhe und Willi Worpitzki von Viktoria Berlin. Sie ergänzten sich vortrefflich mit unseren Spielern. Unser damaliger Verteidiger Marcel Speyer war Kapitän und hatte später auch noch große Erfolge beim Hamburger SV. Im Tor hatten wir mit Portius einen glänzenden Torhüter und während seiner Studienzeit hütete Hankel mit großem Erfolg das Tor. Weitere Spieler der erfolgreichen Mannschaft waren: Ehiicker, Zschen-ker, Burghardt, Koste, Huth, Dr. Mainz und Tanneberg.

In den Jahren 1917-1919 standen die 96er dreimal hintereinander im Endspiel um die Mitteldeutsche Meisterschaft.

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Mitteldeutscher Meister 1917 + 1919

Das Endspiel am 10. Juni 1917 wurde in Dresden gegen "Ring" Dresden von unserer Mannschaft mit 2:0 gewonnen. Folgende Spieler waren am Sieg beteiligt:

Hensel, Hankel, Speyer, Schweinefleisch, Burghardt, Brügert, Delle, Büttner, Förderer, Mainz, Benneke.
Hier wurden vorher im K.O.-System der 15 Gaumeiste Wacker Nordhausen 6:0 Germama Halberstadt 12:0 Cöthen02 5:1 bezwungen.

1918 standen die 96er wieder im Endspiel um die Mitteldeutsche Meisterschaft, verloren aber gegen den VfB Leipzig mit 0:2. Für einen Eklat sorgten die Funktionäre bei der Mitteldeutschen Meisterschaft 1919. Gegen die Wertung des von uns gewonnenen Endspiels legte "Ring" Dresden Protest ein, da vergessen wurde, die Dresdner von einer Verlegung des Spiels von 15.00 auf 16.50 Uhr zu verständigen. Der Hauptausschuß in Leipzig annullierte daraufhin das Spiel. Gegen diese Entscheidung legten wir dann Protest ein und hatten die überwältigende Mehrheit der Verbands Vertreter hinter uns, sie warfen den Urteilsspruch um. Mit einem neuerlichen Protest der Dresdner wurde von ihnen eine Neuansetzung erzwungen. Dieses Spiel fiel in die Sommerpause und unsere Spieler waren inzwischen größtenteils in Urlaub und in alle Himmelsrichtungen verstreut. Unsere erneute Berufung am Vormittag des angesetzten Spieltages hatte dann mit Hinweis auf die Sommerpause Erfolg und das Spiel wurde als Gesellschaftsspiel angesetzt, so daß wir Meister blieben. Nun ging es nicht mehr um die "Wurscht", und wir verloren mit mehreren Ersatzspielern mit 0:2.

Ein besonderes Geschenk für den Verein war es, daß er gleich nach dem l. Weltkrieg 1918 in der Schweiz spielen durfte. Gegen den FC Luzern wurde 1:0 gewonnen. Es war ein großer Achtungserfolg. Ein toller Sieg gelang unserer l. Mannschaft in einem Gesellschaftsspiel beim l. FC Nürnberg. In einem begeisternden Spiel konnten wir mit 2:1 den Platz verlassen. In den nächsten Jahren konnten wir nicht an die Erfolge der Jahre 1917-1919 anknüpfen und spielten keine dominierende Rolle in den Verbandsspielen.

Anläßlich eines Weihnachtsfrühschoppens 1924 gab der Vorsitzende Hans Hädicke einen Überblick über die Lage der Fußballer und

entwickelte ein Programm für das kommende Jahr. Wir durften den Anschluß an die führenden Vereine Deutschlands nicht verlieren. Eine ganze Anzahl Vereine hatte sich ausländische Trainer verpflichtet, um durch Training und Schulung dem talentierten Nachwuchs eine Chance geben zu können. Wenn wir nicht ins Hintertreffen geraten wollten, mußten auch wir etwas unternehmen. Leider reichten unsere finanziellen Mittel nicht, um einen erstklassigen Trainer zu engagieren. Es wurde ein Trainingsplan erarbeitet, wonach jeder Spieler wenigstens einmal pro Woche eine Stunde intensiv am Training teilzunehmen hatte. Das Training sollte in die Hände von bewährten Spielern gelegt werden, so daß auch die unteren Mannschaften davon profitierten. Förderer, Grüneberg, Zschenker und Compes hatten sich für diese Arbeit schon bereit erklärt.

Die Mannschaft hatte im Herbst einen schlechten Start und lag am Tabellenende, im Februar 1925 aber war der zweite Tabellenplatz erreicht. In der Rückrunde wurde nur noch ein Spiel verloren.

In der Saison 1927/28 kämpfte unsere Ligamannschaft wieder gegen den Abstieg. Doch brachte ein 4:2 gegen Neumark, nach einem Rückstand von 0:2 die Rettung^Torwart Grosse, in bestechender Form, hielt dabei einen Elfmeter.

Im Spieljahr 1929/50 machte die Ligamannschaft eine schwere Krise durch. Der Austritt der halben Mannschaft gefährdete die Stellung von Halle 96 in der Ligaklasse. Durch geregeltes und gezieltes Training von Fritz Förderer sowie durch die besondere Pflege des Zusammengehörigkeitsgefühls ging es bald wieder aufwärts. Die Erfolge waren fast sensationell. Die Zeitungen überschlugen sich mit Schlagzeilen. "Ist mit Halle 96 ein Wunder geschehen?", "Was geht auf dem Sportplatz am Zoo vor sich?", so und ähnlich lauteten die Schlagzeilen der heimischen Presse! Imponierend auch ein 5:l-Sieg über denVMBV-PokalsiegerVfB Leipzig. Im Spiel gegen "Sportfreunde" Halle wurde Dr. Zschüntzsch für sein 500. Spiel geehrt.

Zum Jahresende 1931 erreichte unsere Ligamannschaft einen 4. Tabellenplatz. Das Spiel gegen Wacker bildete einen besonderen Höhepunkt. Vor 4.500 begeisterten Zuschauern unterlagen wir auf heimischem Platz 0:1. Im Spieljahr 1932/33 gab es gleich eine herbe Enttäuschung. Gegen den Meister des Eichs-feldes, Duderstadt, wurde verloren und damit die weitere Teilnahme an VMBV-Pokal-spielen verbaut. Bei den Ermittlungsspielen zur Verbandsliga reichte es auf eigenem Platz gegen Bernburg nur zu einem 1:1, beim Rückspiel in Bernburg boten wir dann eine wahre Abwehrschlacht, an Grosse und Müller richteten sich alle Spieler auf. Die Partie verlief bis kurz vor dem Abpfiff prickelnd, bis Neubert doch noch der erlösende Treffer gelang. 1934/35 und 1935/36 ist es nicht gelungen, die Bezirksmeisterschaft zu erringen. Damit schwanden auch die Aussichten zum Wiederaufstieg in die Gauliga. Schließlich gelang er 1936/37 im dritten Anlauf.

Es war ein Zweikampf mit dem schärfsten Mitbewerber, VfL Bitterfeld, der aber im letzten Spiel unsere Überlegenheit anerkennen mußte. Als Bezirksmeister durften wir

nun mit den Meistern der Bezirke Magdeburg (Saxonia Tangermünde) und Thüringen (SC Erfurt) um den Aufstieg zur Gauliga streiten. Das Auftaktspiel gegen Tangermünde gewannen wir daheim mit 7:0 und gegen Erfurt siegten wir 5:0. In Tangermünde (dort verlor Erfurt) gelang uns ein 5:1, während wir in Erfurt erwartungsgemäß, allerdings reichlich hoch, mit 0:4 den Kürzeren zogen. Damit war der Auf stieg endlich geschafft.

Am Aufstieg beteiligt waren die Spieler Geisler, Enke, Müller, Kammerl, Büchner, Heise, W. Meinen, Pfeil, Pfützmann, Linges-leben. Mündecke, Werkmeister, Hoffmann, Gabbert, Ilski, Krampe.

In der Gauliga schlug sich unsere Mannschaft teilweise begeisternd, teilweise aber auch enttäuschend. Sportliche Höhepunkte der Saison waren die Spiele gegen den l. SV Jena mit 5:2 und gegen den l. FC Nürnberg 1:3.

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Mannschaft des Spieljahres 1934/35 auf dem Borrusia-Platz
v.l.: Krampe, Lingesleben, Enke, Hoffmann, Wernicke, Große, Troll, Müller, Große, Bergt, Meßnen

Ein besonderer Höhepunkt war eine vom Ehrenvorsitzenden Hans Hädicke inszenierte Großveranstaltung. Neben unserem Verbands-spiel gegen Sportfreunde Halle (2:2) standen sich noch Wacker Halle und Borussia gegenüber. Die Zuschauerresonanz war mit über 8.000 Zuschauern außerordentlich erfreulich. Den absoluten Höhepunkt dieser Jahre bildete ein Spiel am 17. Mai 1939:

Die Ligamannschaft schlägt im sogenannten "Tschammer"-Pokal im "Stadion am Zoo" den amtierenden Deutschen Meister Hannover 96 verdient mit 3:1.

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VfL Halle 96 - Hannover 96 am 17. Mai 1939

Diesen Sieg, ein Ruhmesblatt in der Vereinsgeschichte, erkämpfte folgende Mannschaft:

Geisler, Wiescholiek, R. Müller, Kammerl, Pfeil, Pritsche, Gabbert, Werkmeister, Rietheimer H. Hoffmann und Thormann

Gegen den nächsten Gegner, den Dresdner SC, konnten wir die Mannschaftsleistung nicht wiederholen und verloren vor heimischer Kulisse mit 0:3. Anzumerken ist, daß sich Gerhard Pfeil als Sonderbewacher von Nationalspieler Helmut Schön, dem später so erfolgreichen Bundestrainer, besonders hervortat.

Im Jahr 1939 war ein großes Turnier vorgesehen. Angesagt hatten sich Eintracht Frankfurt, PSV Chemnitz, Hertha BSC, VfB Leipzig, Hamburger SV, Waldhof Mannheim und l. FC Nürnberg. Dieses Turnier viel dem Krieg zum Opfer.

Spitzenspieler unseres Vereins wurden mehrfach in Auswahlmannschaften berufen:

- Fritz Förderer spielte mehrfach in der Nationalmannschaft,

- Walter Burghardt vertrat unsere Farben in der Mitteldeutschen Auswahl,

- Torwart Gustav Kagemann hütete das Tor der Mitteldeutschen Mannschaft am 6.3.1927 gegen Norddeutschland,

- 1931 spielen Grosse und Müller gegen Ungarn für Mitteldeutschland, beide standen auch neben Lingesleben und den Gebrüdern Krampe in der Stadtauswahl,

- auch Ende der 30er Jahre konnte der VfL zahlreiche Spieler für Auswahlmannschaften stellen,

- Heini Hoffmann erzielte allein 4 Tore beim Spiel Gau-Mitte gegen Württemberg (5:5).

Als bemerkenswerte Ereignisse sollten noch festgehalten werden:

Vom 15.-30. November 1927 weilte der englische Fußballtrainer Jimmy Hogan in Halle, um seine Erfahrungen zu vermitteln. Am 5. Mai 1932 fand auf unserem Sportplatz das Prominentenfußballspiel Stadttheater gegen Hallesche Nachrichten statt. Es entstand hier eine Tradition, die auch nach 1945 mit den Spielen Schminke gegen Tinte auf unserem Sportplatz fortgeführt wurde. In den 30er Jahren gründeten die treuesten der Treuen die "Kameradschaft der Alten" mit dem Zweck, die Tradition zu erhalten und die Kameradschaft zu pflegen. Das Wort "alt" war dabei ein relativer Begriff. Jeder 96er war willkommen.

Verdienstvolle Sportkameraden stellvertretend für viele ungenannt bleibende seien an dieser Stelle genannt:

Die Vorsitzenden Hans Hädicke, Georg Pink, Dr. Fritz Zschüntzsch und Albert Markmann. Die Gebrüder Bernhard (Hardy) und Wilhelm Bauer, Helmut Gabriel, der Schrift-und Karteiführer Gassmann, der Kassierer Artur Klinger, Dr. Hans Mengebier und der Verwaltungsführer Ernst Hoffmann, "Papa" Rainer, Erich Hoffmann und Grete Schmidt.

Von den Spielern seien besonders hervorgehoben Walter Burghardt, der über 300 Spiele

für unseren Verein bestritten hatte, Hans Compes de la Porte, der in 297 Spielen der l. Mannschaft als Außenstürmer 138 Tore schoß und der mit dem nur an wenige Mitglieder verliehenen Goldenen Ehrenring geehrt wurde.

Die Sportler Förderer, Grüneberg, Zschenker und Compes leisteten Hervorragendes nicht nur als Spieler, sondern auch als Trainer unseres Vereins.